Das Buch zum Webinar

Schnitt mit Verstand

Alles, was du über Obstbaumschnitt wissen musst, als ruhig erzähltes Buch: wie ein Baum tickt, warum er nicht heilt, sondern abschottet, wann und wie du schneidest, und wie aus einem vergessenen Baum wieder ein gesunder wird.

So bekommst du das Buch

Inhalt

  1. So nutzt du dieses Buch, und der Schnellstart auf einer Seite
  2. Warum schneiden? Ziele und dein Ausgangsfoto
  3. Wie ein Baum tickt: die Wuchsgesetze
  4. Wunden: Der Baum heilt nicht, er schottet ab
  5. Baumansprache mit Steckbrief zum Ausdrucken
  6. Der richtige Zeitpunkt, mit Jahreskalender
  7. Schnitttechnik und Werkzeug, mit Kaufberatung
  8. Schnitt nach Lebensphase, vom Pflanzschnitt bis zum Altbaum
  9. Nachschlageteil: Obstarten und Sorten
  10. Nachschlageteil: Krankheiten und Schnitt
  11. Pflege übers Jahr und wann zum Profi
  12. Alte Gartenregeln im Faktencheck
  13. Dein Pflegeplan und dein nächster Schritt: der Schnittkurs
Kostenlose Leseprobe

Kapitel 1: Warum ein Obstbaum dich braucht

Stell dir einen wilden Apfelbaum am Waldrand vor. Er trägt ein paar kleine, saure Äpfel. Mehr nicht. Seine ganze Kraft steckt er in Stamm und Äste. Er baut sich ein stabiles Gerüst, denn er muss allein zurechtkommen.

Und jetzt stell dir daneben einen Apfelbaum aus dem Garten vor. Im Herbst hängt er voller großer, schwerer Äpfel. Die Äste biegen sich bis fast zum Boden. Wunderschön, oder? Aber genau hier liegt das Problem.

Unsere Obstbäume wurden über viele Generationen auf Ertrag gezüchtet. Nicht auf einen natürlichen Wuchs, wie ihn ein Baum in der Wildnis hat. Die Sorten haben sich sozusagen auf das Fruchten spezialisiert. Aber nicht auf gesundes Wachstum und nicht auf ein gesundes Astgerüst. Das Gerüst ist für diese Last gar nicht gebaut. Ohne Hilfe hängen die Äste durch, verkahlen innen und brechen irgendwann.

Deshalb braucht ein Obstbaum Pflege. Immer.

Es funktioniert eben nicht so, dass man einen Baum hinpflanzt und dann jedes Jahr auf gut Glück erntet, ohne ihm etwas zurückzugeben. Keine Pflege, keine Verbesserung des Standorts, keine Anpassung an den Platz, an dem er steht. Das geht eine Weile gut. Und dann nicht mehr.

Ich vergleiche das gern mit einem Haustier. Wenn du dir einen Hund holst, dann weißt du: Der braucht Futter, Auslauf, mal einen Tierarzt. Das gehört dazu, du hast dich bewusst dafür entschieden, und du trägst die Verantwortung. Genauso ist es mit einem Obstbaum. Wenn du ihn so pflegst, dann schenkt er dir seinen Ertrag. Jedes Jahr. Du bekommst weniger Alternanz, also weniger dieses Hin und Her zwischen einem übervollen Jahr und einem leeren. Du bekommst einen gesunden Baum. Und ihr beide lebt in einer echten Symbiose. Noch besser wird es, wenn du die Konkurrenz um den Baum herum kleinhältst, zum Beispiel das Gras auf der Baumscheibe, und das Zusammenleben förderst, etwa mit Mulch, lebendigem Boden und guten Nachbarpflanzen.

Und dann ist da noch ein Gedanke, der mich nicht loslässt. Wir Menschen sterben meistens nicht am Alter. Wir sterben an Krankheiten. Bei Bäumen ist es genauso. Ein Baum, dem es gut geht und der gepflegt wird, stirbt nicht einfach, weil er alt ist. Er stirbt meistens an Krankheiten, und die kommen oft von mangelnder Pflege oder von anderen Dingen, die ihm gefehlt haben. Wären die Bäume auf unseren Streuobstwiesen gepflegt worden, dann würden viele von ihnen heute in Würde und gesund alt werden.

Eins muss ich dir noch gleich am Anfang sagen: Ein falscher Schnitt ist oft schlimmer als gar keiner. Und weißt du, wie der falsche Schnitt meistens entsteht? Zehn Jahre lang passiert gar nichts. Der Baum wächst und wächst. Dann steht man eines Tages davor und denkt: Oh, der ist ja viel zu groß geworden. Und dann wird radikal geschnitten. Das führt zu großen Verlusten. Es kann einen Baum dreißig bis vierzig Jahre gesunder Lebenszeit kosten, und zwar genau in seinen ertragreichsten Jahren.

Die gute Nachricht: Das muss nicht sein. Wer von Anfang an pflegend schneidet, ein bisschen jedes Jahr, der bekommt jedes Jahr ein Dankeschön vom Baum. Und in zwanzig Jahren sieht er die Früchte seiner Arbeit, im wahrsten Sinne des Wortes.

Wenn du dir aus diesem Kapitel nur einen Satz merkst, dann diesen: Ein Obstbaum schenkt dir ein Leben lang Früchte, wenn du ihm mit Pflege etwas zurückgibst. Das gilt in jedem Garten und für jeden Baum, ganz besonders in seiner ganz eigenen Situation.

Ende der Leseprobe.

Lieber machen lassen?

Ich schaue mir deinen Baum an, mache einen Plan und schneide ihn fachgerecht. Für große, alte Bäume und alles, was über Kopfhöhe dicker als ein Arm ist.